Bilde dir deine eigene Meinung!

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Zitat & Fundstück Veröffentlicht am 26. September 2026

Reihe: Bilde dir deine eigene Meinung!

Wadephul-Rede vor UN-Vollversammlung am 26.09.2026

Grafik: Eine Lupe über einem Textdokument, daneben der Schriftzug „Bilde dir deine eigene Meinung! – Ungekürzte Originaldokumente, ohne Kommentar.“

Die Rede von Bundesaußenminister Johann Wadephul vor der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 2026 in New York – vollständig und ohne Kommentar.

Über diese Rede wird viel berichtet, meist in kurzen Ausschnitten und oft schon mit einer fertigen Bewertung. Ich stelle sie deshalb hier im vollständigen Wortlaut in deutscher Übersetzung zur Verfügung. Lesen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Hinweise zur Übersetzung

Außenminister Wadephul hat seine Rede auf Englisch gehalten. Grundlage ist die englische Transkription des Originaltons, die die Vereinten Nationen automatisch erstellt haben; sie kann Fehler enthalten. Eine amtliche deutsche Fassung des Auswärtigen Amts lag zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht vor. Sobald sie erscheint, wird diese Übersetzung damit abgeglichen oder durch sie ersetzt.

Die Übersetzung folgt dem gesprochenen Wort. Offensichtliche Fehler der automatischen Spracherkennung wurden sinngemäß korrigiert (z. B. „Her Excellency“ → Seine Exzellenz; „whatever its profits may preach“ → „prophets“, Propheten). Ergänzungen der Übersetzung stehen in eckigen Klammern. Zwischenüberschriften wurden zur besseren Orientierung eingefügt und sind nicht Teil der Rede.

Die Zahlen und Behauptungen werden so wiedergegeben, wie sie in der Rede gefallen sind; sie wurden nicht auf ihre Richtigkeit geprüft.

Quelle: UN – General Debate, 81st Session: Germany (Video, Audio und automatische Mitschrift, Originalsprache Englisch)

Inhalt

  1. Einleitung: Wer kontrolliert die künstliche Intelligenz?
  2. Die Vereinten Nationen unter Druck
  3. Ehrlichkeit, Realismus, Zusammenarbeit: Die UN reformieren
  4. Erstens: Konflikte lösen, nicht nur verwalten
  5. Zweitens: Faire Zusammenarbeit statt neuem Nationalismus
  6. Drittens: Die großen globalen Fragen gemeinsam beantworten – Klima und KI
  7. Schluss: Macht muss an Verantwortung gebunden sein

Eröffnung durch den Vorsitz der Generalversammlung

Ich erteile Seiner Exzellenz Johann Wadephul, Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland, das Wort.

Einleitung: Wer kontrolliert die künstliche Intelligenz?

Herr Präsident, Exzellenzen, meine Damen und Herren,

stellen Sie sich vor, Atomwaffen würden von Privatunternehmen entwickelt. Die Bestände lägen auf Firmengelände, und die Abschusscodes wären im Tresor im Büro eines Vorstandschefs weggeschlossen. Das ist ein beunruhigender Gedanke.

Wenn eine Technologie die Macht hat, die Welt grundlegend zu verändern, vielleicht sogar über das Schicksal der Menschheit zu entscheiden, müssen wir fragen: Wer kontrolliert sie? Wer setzt die Regeln? Wer trägt die Verantwortung?

Heute steht die Menschheit vor einer weiteren technologischen Revolution, die genau diese Frage aufwirft. Ingenieure haben eine Technologie entwickelt, die nicht von einer Rakete oder einem U-Boot abgefeuert werden muss, um den Lauf der Geschichte zu verändern. Ich spreche natürlich von künstlicher Intelligenz – einer Technologie mit scheinbar unbegrenzter Macht in den falschen Händen.

Sie kann unsere Volkswirtschaften auf den Kopf stellen und unsere Lebensgrundlagen bedrohen. Sie kann das Vertrauen in unseren Gesellschaften untergraben, indem sie Informationen verbreitet, die echt erscheinen, in Wahrheit aber gefälscht sind. KI kann die Infrastruktur gefährden, die unsere Gesellschaften am Laufen hält. Und letztlich kann sie Entscheidungen beeinflussen, die über den weltweiten Frieden und die internationale Sicherheit bestimmen.

Zugleich birgt künstliche Intelligenz außerordentliche Chancen. Sie kann wissenschaftliche Entdeckungen beschleunigen, Gesundheitsversorgung und Bildung auf der ganzen Welt verbessern, Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung eröffnen, Ungleichheiten überwinden und uns helfen, Herausforderungen zu bewältigen, die kein Land allein lösen kann. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der wir mithilfe von KI Hungersnöte verhindern und Krebs heilen können. Genau das macht KI so mächtig – im Guten wie im Schlechten.

Doch es gibt ein entscheidendes Spannungsfeld. Die Unternehmen, die die große Mehrheit aller KI-Patente weltweit halten, sitzen in nur zwei großen Ländern. Das legt einen enormen Einfluss in die Hände sehr weniger. Solche Macht bringt Verantwortung mit sich – nicht nur gegenüber Kunden, Anteilseignern oder Regierungen, sondern auch gegenüber der Menschheit. Und wo Macht global wird, muss auch Verantwortung global werden.

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Die Vereinten Nationen unter Druck

Die Vereinten Nationen wurden genau für einen Moment wie diesen geschaffen: wenn eine Herausforderung zu groß ist, als dass eine einzelne Nation sie allein bewältigen könnte; wenn Risiken gesteuert werden müssen, um Menschen auf der ganzen Welt zu schützen; und wenn Chancen so genutzt werden müssen, dass sie dem größten wie dem kleinsten, dem reichsten wie dem ärmsten Mitgliedstaat zugutekommen.

Doch heute stehen die Vereinten Nationen selbst unter Druck. Es gibt Großmächte, die glauben, es gehe ihnen besser, wenn sie die in der UN-Charta verankerten Regeln missachten. Die Aushöhlung des Völkerrechts gefährdet den enormen zivilisatorischen Fortschritt, für den die Vereinten Nationen stehen: das Bekenntnis zum Frieden, den Grundsatz der souveränen Gleichheit aller Staaten, den Glauben an Normen und Regeln, die Überzeugung von der jedem Menschen innewohnenden Würde.

Die Aushöhlung dieser Grundsätze mag den Interessen einiger weniger dienen, die sich für mächtig genug halten, in einer Welt ohne Normen zu überleben oder uns ihre eigenen Regeln zu schreiben. Für die überwältigende Mehrheit der 193 in dieser Generalversammlung vertretenen Staaten ist sie schädlich. Wir wissen, dass die Menschen dieser Welt den Preis zahlen werden, wenn die Achtung des Völkerrechts schwindet und seine Institutionen angegriffen werden. Wenn diese Aushöhlung weitergeht, werden wir alle verlieren.

Doch dieser Druck auf die internationale Ordnung geht nicht allein von politischen Akteuren aus. Er kommt auch von den Kräften der technologischen Revolution. Das wirft eine entscheidende Frage auf: Wie befähigen wir unsere internationalen Institutionen, mit den Technologien Schritt zu halten, die unsere Welt umgestalten?

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Ehrlichkeit, Realismus, Zusammenarbeit: Die UN reformieren

Angesichts dieser Frage wird es nicht genügen, zu beschwören, was wir an den Vereinten Nationen noch haben oder einmal hatten. Ebenso wenig wird es helfen, ihre Schwächen zu ignorieren. Was wir brauchen, sind Ehrlichkeit, Realismus und Zusammenarbeit: Ehrlichkeit in unserer Analyse, Realismus in unserem Anspruch und Zusammenarbeit als unsere Methode.

Wir müssen anerkennen, dass viele der Balken dieses gemeinsamen Hauses die Last, die wir ihnen aufbürden, nicht tragen können. Wir müssen entscheiden, welche Teile des Hauses wir erhalten und welche wir neu bauen. Damit dieses Vorhaben gelingt, brauchen wir den neuen Generalsekretär, der einen tiefgreifenden Reformprozess anführt. Vor allem müssen wir die Lücke schließen zwischen dem, was wir von den Vereinten Nationen erwarten, und den Fähigkeiten, die wir der Organisation geben.

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Erstens: Konflikte lösen, nicht nur verwalten

Erstens brauchen wir funktionierende Vereinte Nationen, die eine aktive Rolle bei der Lösung von Konflikten spielen, statt sie nur zu verwalten. In Zeiten, in denen der Sicherheitsrat als zentrales Entscheidungsgremium gelähmt ist, ist das schwieriger denn je. Wir müssen seine Reform weit oben auf unserer Tagesordnung halten.

Deutschland tritt für Frieden und Sicherheit ein. Heute sind mehr Menschen als je zuvor von gewaltsamen Konflikten betroffen. Zugleich sind die Mittel für jeden Mitgliedstaat begrenzt. Deshalb müssen wir unsere Kräfte bündeln, um Konflikte zu beenden.

Heute ist Deutschland der größte Unterstützer der Ukraine und ihrer Verteidigung gegen die russische Aggression. Diese Aggression ist von einer überwältigenden Mehrheit hier in der Generalversammlung immer wieder verurteilt worden. Russlands Krieg richtet sich gegen das Leben von Millionen unschuldiger Menschen, gegen die Existenz des ukrainischen Staates und der ukrainischen Kultur und gegen die europäische Friedensordnung. Er gefährdet lebenswichtige Getreidelieferungen für Millionen Menschen, vor allem in Afrika, Asien und dem Nahen Osten. Er zeigt Verachtung für die Charta und für die gemeinsame Ordnung, auf der wir stehen.

Deshalb werden wir Russland weiterhin drängen, endlich an den Verhandlungstisch zu kommen. Ich rufe jeden Mitgliedstaat auf, gemeinsam mit uns Russland davon zu überzeugen, dass die Zukunft am Verhandlungstisch gebaut wird – nicht auf Leichen in Städten und Dörfern. Der Tag, an dem endlich Verhandlungen beginnen, wird ein guter Tag für die Vereinten Nationen sein.

Deutschland übernimmt auch über Europa hinaus Verantwortung für Frieden und Sicherheit – zum Beispiel in Haiti, wo wir unseren Beitrag zur internationalen Mission gegen die Bandenkriminalität deutlich erhöht haben. Und wir dürfen den Sudan nicht vergessen: Bei der Sudan-Konferenz in Berlin im April haben wir gemeinsam mit unseren Partnern mehr als 1,7 Milliarden Dollar mobilisiert, um die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit zu lindern.

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Zweitens: Faire Zusammenarbeit statt neuem Nationalismus

Zweitens stehen wir für eine internationale Zusammenarbeit, die friedlich, fair und gleichberechtigt ist. Ein neuer Nationalismus wäre ein Irrweg, was auch immer seine Propheten predigen mögen. Die Wahrheit ist, dass er unser Leben enger, ärmer und unsicherer machen würde.

Stattdessen müssen die globalen Handelsbeziehungen im Rahmen einer fairen Handelsordnung diversifiziert und vertieft werden. Kein Land sollte hinnehmen müssen, dass Rohstoffe eingesetzt werden, um Gehorsam zu erzwingen, oder dass Lieferketten zu Druckmitteln werden. Keiner von uns ist dem gegenüber machtlos. Wir sind [stark], wo wir zusammenarbeiten. Wir befreien uns aus einseitigen Abhängigkeiten und eröffnen neue Freiräume.

Mit unseren Partnern in der Europäischen Union haben wir diese Arbeit mit neuen Handelsabkommen, Kooperationsvereinbarungen und Partnerschaften begonnen. Diese Partnerschaften beruhen auf gegenseitigem Respekt, auf gemeinsamen Regeln und auf gemeinsamer Achtung des Völkerrechts. Sie tragen auch der erfreulichen Tatsache Rechnung, dass sich viele Länder des Globalen Südens außerordentlich erfolgreich entwickeln.

Derselbe Grundsatz von Partnerschaft und Zusammenarbeit gilt auch für die Technologie. Der Zugang zu Rechenleistung, Daten, Fachwissen und Infrastruktur wird zunehmend darüber entscheiden, wer Innovationen hervorbringen kann und wer die von anderen gesetzten Regeln lediglich hinnehmen muss. Zusammenarbeit muss deshalb Fähigkeiten schaffen, nicht neue Abhängigkeiten.

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Drittens: Die großen globalen Fragen gemeinsam beantworten – Klima und KI

Drittens wollen wir die großen globalen Fragen unserer Zeit gemeinsam beantworten. Niemand hier, nicht einmal der Größte unter uns, kann das allein. Gemeinsam mit allen, die dazu bereit sind, werden wir unsere Arbeit fortsetzen, um dem menschengemachten Klimawandel und seinen verheerenden Folgen schnell und wirksam zu begegnen. Wir sind gezwungen, neue Wege einzuschlagen, und wir müssen es schnell tun.

Doch nirgends ist der Handlungsbedarf dringender als im Bereich der künstlichen Intelligenz. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Technologie der Menschenwürde dient. Das ist besonders dringlich, weil diese Technologien schon jetzt die Grundlagen unserer Gesellschaften verändern. Die KI wartet nicht darauf, dass unsere Institutionen aufholen. Unsere Institutionen müssen zur KI aufschließen.

Zu Beginn meiner Rede habe ich drei Fragen gestellt: Wer kontrolliert neue Technologien? Wer setzt die Regeln, und wer trägt die Verantwortung? Wir können sie nicht beantworten, indem wir einfach darauf vertrauen, dass diejenigen mit den größten Fähigkeiten immer im Interesse aller anderen handeln werden.

Wir müssen sicherstellen, dass der technologische Fortschritt von einem Rahmen geleitet wird, bei dessen Gestaltung wir alle mitreden. Das bedeutet, die Fähigkeit aufzubauen, immer leistungsfähigere KI-Systeme zu verstehen und zu bewerten. Es bedeutet, dafür zu sorgen, dass alle Regionen an der Gestaltung der Regeln mitwirken können. Und es bedeutet, von freiwilligen Selbstverpflichtungen zu mehr Transparenz überzugehen und gemeinsame Standards zu entwickeln.

Deshalb ruft Deutschland die UN-Mitgliedstaaten auf, auf gemeinsame Sicherheitsanforderungen für die leistungsfähigsten KI-Modelle hinzuarbeiten. Anbieter sollten verpflichtet werden, diese Modelle vor der Veröffentlichung zu testen und schwerwiegende Sicherheitsmängel zu melden. Diese Anforderungen sollten durch eine wirksame nationale und regionale Aufsicht unterstützt werden. Die Industrie wird dabei ihre Rolle spielen müssen und weiterhin Verantwortung dafür tragen, welchen Weg diese Technologie nimmt. Zugleich müssen wir Rechenschaft sicherstellen, insbesondere wenn der Weltfrieden und die internationale Sicherheit berührt sein könnten.

Im Laufe dieser Woche haben wir unsere Gespräche über diese Fragen intensiviert. Wie wir gemeinsam mit KI umgehen, ist eine der deutlichsten Bewährungsproben dafür, ob wir die Kraft und den Willen haben, Vereinte Nationen für die Welt von heute aufzubauen.

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Schluss: Macht muss an Verantwortung gebunden sein

Der nächste Generalsekretär kann auf diesem Weg auf Deutschland zählen. Unsere Geschichte, unsere Geografie und unsere Verfassung verpflichten uns auf die UN-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Das gehört zum innersten Kern unserer Staatlichkeit.

Die Technologien mögen sich ändern, aber ein Grundsatz wird bleiben: Macht muss an Verantwortung gebunden sein, und Fortschritt muss der Menschenwürde dienen.

Die Welt befindet sich seit Langem im Modus der Dauereskalation, und mit ihr navigieren die Vereinten Nationen durch stürmische Gewässer. Wir müssen entscheiden: Sind wir wirklich bereit, das Boot, in dem wir alle sitzen, aufs Kentern zutreiben zu lassen? Oder werden wir unsere Kräfte bündeln und es wieder auf Kurs bringen? Die Werkzeuge liegen in unseren Händen. Gemeinsam können wir die Erneuerung voranbringen und eine friedliche Zukunft für kommende Generationen aufbauen.

Ich danke Ihnen.

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Abschluss durch den Vorsitz der Generalversammlung

Ich danke dem Bundesminister des Auswärtigen der Bundesrepublik Deutschland für seine Ausführungen.

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