Reihe: Bilde dir deine eigene Meinung!
Lawrow-Rede vor UN-Vollversammlung am 26.09.2026
Die Rede von Russlands Außenminister Sergej Lawrow vor der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 2026 in New York – vollständig und ohne Kommentar.
Über diese Rede wird viel berichtet, meist in kurzen Ausschnitten und oft schon mit einer fertigen Bewertung. Ich stelle sie deshalb hier im vollständigen Wortlaut in deutscher Übersetzung zur Verfügung. Lesen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.
Hinweise zur Übersetzung
Grundlage ist die russische Transkription des Originaltons, die die Vereinten Nationen automatisch erstellt haben. Die Vereinten Nationen weisen darauf hin, dass sie Fehler enthalten kann. Zum Abgleich wurde die ebenfalls automatisch erstellte englische Mitschrift der Simultanverdolmetschung herangezogen. Eine amtliche Fassung lag zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht vor.
Die Übersetzung folgt dem gesprochenen Wort. Offensichtliche Fehler der automatischen Spracherkennung wurden sinngemäß korrigiert (z. B. „подбирает“ → „попирает“, tritt mit Füßen; „консенсус из Улвини“ → Ezulwini-Konsens der Afrikanischen Union). Ergänzungen der Übersetzung stehen in eckigen Klammern. Zwischenüberschriften wurden zur besseren Orientierung eingefügt und sind nicht Teil der Rede.
Die Zahlen, Behauptungen und Bewertungen werden so wiedergegeben, wie sie in der Rede gefallen sind; sie wurden nicht auf ihre Richtigkeit geprüft.
Quelle: UN – General Debate, 81st Session: Russian Federation (Video, Audio und automatische Mitschriften)
Inhalt
- Rede von Außenminister Sergej Lawrow
- Venezuela, Iran und die Golfregion
- Naher Osten, Afrika und Kuba
- Balkan und Ukraine
- 80 Jahre Nürnberger Urteil
- Ukraine, Generalsekretär und Reform des Sicherheitsrats
- Informationssicherheit, künstliche Intelligenz und Neokolonialismus
- Schluss: Gleiche und unteilbare Sicherheit
Eröffnung durch den Vorsitz der Generalversammlung
Ich danke dem Außenminister Kubas. Nun erteile ich Seiner Exzellenz Sergej Lawrow, Außenminister der Russischen Föderation, das Wort.
Rede von Außenminister Sergej Lawrow
Sehr geehrter Herr Präsident, Exzellenzen, meine Damen und Herren,
in den vergangenen Tagen dieser Woche ist von dieser Tribüne und in den Wandelgängen der Generalversammlung schon mehrfach der Gedanke geäußert worden, dass sich in der Weltpolitik tektonische Verschiebungen vollziehen und vor unseren Augen eine gerechtere multipolare Weltordnung entsteht.
Die Länder des globalen Südens und Ostens behaupten sich als souveräne Entwicklungszentren, übernehmen Verantwortung für die Sicherheit in ihren Regionen und zeigen ihr Bekenntnis zum Völkerrecht, ihre Ablehnung von Druck von außen und ihr Interesse am Wohlstand aller Staaten, nicht nur einiger Auserwählter. Diese konstruktive Philosophie liegt der russischen Außenpolitik zugrunde. Sie wird von unseren zahlreichen Gleichgesinnten geteilt, und auf ihr beruht die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der Shanghaier Organisation, den BRICS und anderen Zusammenschlüssen der Weltmehrheit.
Doch das gefällt nicht allen. Die westliche Minderheit, die fünf Jahrhunderte lang auf Kosten fremder Ressourcen dominiert hat, gibt ihre Versuche nicht auf, sich ihre Privilegien zu bewahren und allen ihre Regeln aufzuzwingen. Der Westen greift immer häufiger zu roher Gewalt, handelt unberechenbar und abenteuerlich und gefährdet das Leben und Wohlergehen von Millionen, wenn nicht Milliarden Bewohnern unseres gemeinsamen Planeten. Nach den Worten des russischen Präsidenten Putin, ich zitiere, „ist die Diktatur eines einzigen Hegemons außer Kontrolle geraten und schlicht gefährlich für ihre Umgebung“.
Venezuela, Iran und die Golfregion
Anfang dieses Jahres endete der Einmarsch der Vereinigten Staaten in Venezuela – unter Verletzung aller Normen, auch der moralischen – mit der Gefangennahme von Präsident Maduro und seiner Ehefrau und ihrer Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren in einem amerikanischen Gefängnis. Und das, obwohl das Völkerrecht ausdrücklich vorschreibt, die Immunität und Unverletzlichkeit der höchsten Amtsträger von Staaten zu achten. Wir bestehen auf der schnellstmöglichen Freilassung des venezolanischen Staatschefs und seiner Ehefrau und darauf, dass sich solche Exzesse in Zukunft nicht wiederholen.
Als unannehmbaren Ausdruck gewaltsamen Diktats betrachten wir die Tötung des Obersten Führers Irans, Ajatollah Ali Chamenei, und von Mitgliedern seiner Familie sowie von Mitgliedern der militärischen und politischen Führung der Islamischen Republik. Besonders beunruhigend ist, dass Ziele der amerikanisch-israelischen Aggression, die im Juni vergangenen Jahres begann, nicht nur die zivile Infrastruktur Irans waren, sondern auch friedliche Atomanlagen, die unter dem Schutz der Garantien der IAEO standen. Das hat der Autorität der IAEO und dem gesamten System der Nichtverbreitung von Atomwaffen irreparablen Schaden zugefügt.
Die Rückfälle in bewaffnete Konfrontation in der Zone des Persischen Golfs und der Straße von Hormus dauern an – trotz des für alle offensichtlichen Schadens für die weltweite Schifffahrt und den Handel. Wir halten es für eine notwendige Voraussetzung zur Lösung der Krise, Vertrauen in den Beziehungen zwischen den Anrainerstaaten des Golfs, den arabischen Ländern und Iran herzustellen. Auf die Schaffung einer stabilen regionalen Architektur zielt unser Konzept zur Gewährleistung kollektiver Sicherheit in der Zone des Persischen Golfs. Russland ist gemeinsam mit anderen verantwortungsvollen Ländern bereit, einen konstruktiven Beitrag zur Stabilisierung dieser strategisch wichtigen Region zu leisten.
Naher Osten, Afrika und Kuba
Wir sind überzeugt, dass die Zeit gekommen ist, das Hauptproblem des Nahen Ostens zu lösen: die Staatlichkeit des palästinensischen Volkes auf der Grundlage der zahlreichen Beschlüsse der Vereinten Nationen zu sichern. Vor fast einem Jahr hat der Sicherheitsrat auf Initiative der Vereinigten Staaten einen Friedensplan für den Gazastreifen gebilligt, aber Frieden ist dort nicht eingekehrt. Dort sterben immer noch alte Menschen, Frauen und Kinder, die humanitäre Lage ist weiterhin kritisch. Auch im Westjordanland verschlechtert sich die Lage; Israel weitet dort die Siedlungstätigkeit aus. Wenn es so weitergeht, wird es unmöglich sein, einen palästinensischen Staat zu schaffen – es wird schlicht kein Platz mehr für ihn bleiben. Dann aber wird auch die Sicherheit Israels ständig bedroht sein, und die Fachleute wissen das sehr genau.
Von den Vereinten Nationen, von uns allen, den Mitgliedstaaten, sind dringende und unkonventionelle Schritte gefordert, um die ungünstigen Entwicklungen im Nahen Osten und in den angrenzenden Gebieten umzukehren. Es geht nicht nur um Palästina, sondern auch um Libanon, Syrien, Jemen, Irak, Sudan, Somalia, Südsudan und andere Länder Afrikas, in denen Konflikte toben.
Dringende Maßnahmen sind nötig, um die katastrophale humanitäre Lage auf Kuba zu verbessern, das heute beispiellosem Druck seitens seines nördlichen Nachbarn ausgesetzt ist. Wir bekräftigen unsere Solidarität mit dem kubanischen Volk und seiner Regierung und fordern nachdrücklich, die Seeblockade der Insel der Freiheit aufzuheben, alle Beschränkungen des Handels mit Kuba abzuschaffen und das Land von der längst berüchtigten Liste der staatlichen Unterstützer des Terrorismus zu streichen.
Das sind nur die himmelschreiendsten Beispiele, die vorrangig die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft erfordern. Doch darauf darf man sich nicht beschränken: Die Machtpolitik und die Doppelstandards des Westens destabilisieren die Lage überall.
Balkan und Ukraine
Auf dem Balkan ignoriert die Europäische Union auf grobe Weise die Resolution 1244 des Sicherheitsrats und zwingt Serbien, sich mit dem Verlust der Provinz Kosovo abzufinden und seiner Geschichte und dem Andenken an seine Vorfahren abzuschwören. Belgrad wird buchstäblich gezwungen, Sanktionen gegen Russland zu verhängen, und erhält dafür im Gegenzug die – wie inzwischen alle verstehen – trügerische Aussicht auf eine europäische Integration. Im Versuch, Bosnien und Herzegowina zu einem Einheitsstaat zu machen, werden die Serben gedrängt, auf verfassungsmäßige Befugnisse zu verzichten, die ihnen durch das Friedensabkommen von Dayton und den UN-Sicherheitsrat garantiert sind.
Im gleichen Geist der Missachtung des Völkerrechts stellen die rücksichtslosen Handlungen der ausländischen Förderer des Kiewer Regimes eine ernste Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit dar. Um des utopischen Ziels willen, Russland einzudämmen, hat der Westen mit eigenen Händen das System der europäischen Sicherheit zerstört und in Kiew ein russophobes Regime großgezogen. Weil man die Vergeblichkeit dieser Anstrengungen erkennt, tut man in Europa alles, um eine friedliche Regelung zu verhindern und die Aussichten auf Verhandlungen zu vereiteln, an denen viele interessiert sind, auch die Regierung Trump.
Der Westen pumpt das ukrainische Regime mit Waffen voll und hilft Kiew, Drohnen und Raketen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur zu richten. Im Westen träumt man davon, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, doch diese Träume werden – wie schon so oft in der Vergangenheit – die Kriegstreiber selbst in eine strategische Sackgasse führen.
80 Jahre Nürnberger Urteil
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, vor einem Jahr haben wir den 80. Jahrestag des Sieges über den deutschen Nationalsozialismus und den japanischen Militarismus begangen. Nächste Woche, am 1. Oktober, jährt sich zum 80. Mal der Abschluss der Arbeit des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg. Das historische Urteil des „Gerichts der Völker“, wie das Nürnberger Tribunal auch genannt wird, hat die NS-Verbrecher streng und unmissverständlich gebrandmarkt und die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus außerhalb von Recht und Moral gestellt.
Doch 80 Jahre später haben längst nicht alle die Lehren von Nürnberg gelernt. Die herrschenden Eliten vieler Länder der Europäischen Union sind, nach den Äußerungen ihrer Vertreter zu urteilen, offenkundig vom Virus der Rassenüberlegenheit befallen, hegen extremistische, russophobe Ideen und leisten den Anführern des ukrainischen Regimes Vorschub, wenn diese in Kiew notorische Kriegsverbrecher und Hitler-Kollaborateure ehren, an deren Händen bis zu den Ellbogen das Blut von Russen, Juden, Belarussen, Ukrainern und Menschen anderer Nationalitäten klebt.
Fast der gesamte Westen stimmt hier in diesem Saal jedes Jahr gegen die russische Resolution, die die Heroisierung des Nationalsozialismus verurteilt. Dagegen stimmen Deutschland, Japan sowie alle NATO-Staaten, unter denen nicht wenige in den Jahren des Zweiten Weltkriegs Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Das überrascht uns nicht, aber ich möchte betonen: Die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs bilden das Fundament der Nachkriegsordnung und sind in der Charta der Vereinten Nationen verankert. Die ehemaligen Achsenmächte haben mit der Ratifizierung dieses Dokuments ihre historische Verantwortung für das unermessliche Leid anerkannt, das die NS-Ideologien und -Praktiken über die Welt gebracht haben. Wenn man heute verschämt die Augen vor den immer deutlicheren Erscheinungsformen des ukrainischen Nazismus verschließt, werden die Grundlagen der auf die Vereinten Nationen gestützten Weltordnung selbst untergraben.
Indem er die Verantwortung Hitlerdeutschlands für den Völkermord am sowjetischen Volk dem Vergessen preisgibt und sich der Rolle der Bundesrepublik als Hauptförderer des Nazi-Regimes in Kiew nicht schämt, erklärt Kanzler Merz, Deutschland müsse wieder zur führenden Militärmacht in Europa werden. Versteht man in Berlin, was dieses „wieder“ bedeutet? Versteht man, wozu das führen kann? Haben die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs denn nichts gelehrt?
Ukraine, Generalsekretär und Reform des Sicherheitsrats
Das ukrainische Regime tritt offen einen so grundlegenden Grundsatz der UN-Charta mit Füßen wie die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied nach Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion. Es gibt auf der Welt kein anderes Land außer der Ukraine, in dem eine Sprache gesetzlich verboten ist. In der Ukraine ist Russisch verboten; für seinen Gebrauch drohen Strafen bis hin zu Gefängnis. Doch in der Europäischen Union, die sich ihrer europäischen Werte rühmt, schweigt man beharrlich – kein Wort der Verurteilung. Man sagt nur, die Ukraine helfe gerade dabei, eben diese europäischen Werte zu verteidigen. Unwillkürlich kommt man zu dem Schluss, dass sowohl der Nazismus als auch die eklatanten Verletzungen der Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit durch das ukrainische Regime das Wesen eben dieser europäischen Werte ausmachen.
Russland hat im Jahr 2022 die militärische Spezialoperation zum Schutz der Menschen im Donbass und in Noworossija vor der Vernichtung durch das Kiewer Regime begonnen und kämpft weiterhin für ihre Sicherheit und ihre Rechte, in voller Übereinstimmung mit Buchstaben und Geist der Charta der Vereinten Nationen. Unser Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit wird bis zum Ende geführt. Die Ziele der militärischen Spezialoperation werden erreicht, die Bedrohungen für die Sicherheit Russlands beseitigt und das friedliche Leben wiederhergestellt werden.
Das wird unter allen Umständen geschehen – auch trotz der Unfähigkeit der derzeitigen Führung der Weltorganisation, in der Lage um die Ukraine die einzig richtige Position einzunehmen: die Position eines Verteidigers der Grundsätze der UN-Charta, und zwar nicht selektiv, sondern in ihrer Gesamtheit, Vollständigkeit und ihrem Zusammenhang.
Wir erwarten, dass der neue Generalsekretär, den wir bis Jahresende wählen müssen, sich strikt an sein Mandat und an die in der Charta verankerten Grundsätze der Unparteilichkeit und des gleichen Abstands zu allen halten wird, die gesamte internationale Gemeinschaft vertritt und nicht den Interessen einzelner Staaten dient, den zwischenstaatlichen Charakter des UN-Systems nicht untergräbt und die Vorrechte des Sicherheitsrats und seiner ständigen Mitglieder nicht aufweicht.
Unser grundsätzlicher Ansatz ist, dass eine Reform des Sicherheitsrats keine zusätzlichen Sitze für die Länder des Westens vorsehen darf, erst recht nicht für Deutschland und Japan, die den Weg der Militarisierung und des Revanchismus eingeschlagen haben. Wir treten ausschließlich für eine stärkere Vertretung Asiens, Afrikas und Lateinamerikas ein und unterstützen die Kandidaturen Brasiliens und Indiens für ständige Sitze – bei gleichzeitiger, das betone ich, Berücksichtigung der Interessen des afrikanischen Kontinents entsprechend dem Ezulwini-Konsens und der Erklärung von Sirte.
Informationssicherheit, künstliche Intelligenz und Neokolonialismus
Sehr geehrte Damen und Herren, mit ihrem außenpolitischen Kurs arbeitet Russland an einer Gesundung der Lage in der Welt – gemeinsam mit unseren Verbündeten und strategischen Partnern, unter anderem in den BRICS, der SOZ, der Eurasischen Wirtschaftsunion, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit. Wir schlagen eine verbindende Agenda, konkrete Ideen und Projekte vor.
Heute rückt objektiv das Thema der internationalen Informationssicherheit in den Vordergrund. Offensichtlich müssen in dieser Frage die Vereinten Nationen die zentrale Rolle spielen und nicht irgendwelche geschlossenen Mechanismen hinter verschlossenen Türen. Im Oktober vergangenen Jahres wurde in Hanoi das auf Initiative Russlands ausgearbeitete UN-Übereinkommen gegen Cyberkriminalität zur Unterzeichnung aufgelegt. Wir begrüßen den Start des für seine Umsetzung geschaffenen weltweiten Mechanismus unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, des ersten ständigen Formats auf diesem Gebiet.
Eine besondere Verantwortung kommt den Vereinten Nationen angesichts der rasanten Entwicklung der Technologien der künstlichen Intelligenz zu. Allgemein anerkannte Regeln für ihre Anwendung können nur gleichberechtigt unter Beteiligung aller Länder formuliert werden; dem kann man kaum widersprechen. Den Beginn des globalen Dialogs über die Steuerung der künstlichen Intelligenz und die Arbeit des unabhängigen internationalen wissenschaftlichen Gremiums für künstliche Intelligenz betrachten wir als Schritte in die richtige Richtung. In dieselbe Richtung geht die von Russland unterstützte Initiative der Volksrepublik China zur Gründung einer Weltorganisation für die Zusammenarbeit im Bereich der KI.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat die Sowjetunion den Völkern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas geholfen, sich von den Fesseln kolonialer Abhängigkeit zu befreien. Eine weitere Demokratisierung des internationalen Lebens ist ohne die Beseitigung neokolonialer Praktiken, die noch sehr, sehr deutlich sichtbar sind, nicht möglich. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war die Resolution der Generalversammlung, mit der der 14. Dezember zum Internationalen Tag gegen den Kolonialismus in all seinen Formen und Erscheinungen erklärt wurde. Wir werden Anhänger des Kampfes gegen heutige Praktiken des Neokolonialismus aus allen Staaten gern bei der ersten Weltversammlung der internationalen parteiübergreifenden Bewegung für die Freiheit der Nationen begrüßen. Diese Versammlung findet in den kommenden Monaten in Russland statt.
Schluss: Gleiche und unteilbare Sicherheit
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, dauerhafter Frieden lässt sich nur sichern, wenn die gefährliche Rivalität der größten Akteure der Welt aufhört. Das ist nur auf der Grundlage der strikten Einhaltung der UN-Charta und des Grundsatzes der gleichen und unteilbaren Sicherheit zu erreichen. Dieser Grundsatz bedeutet, ich erinnere daran, den Verzicht darauf, die Sicherheit eines Staates auf Kosten der Sicherheit anderer zu gewährleisten, und die Unzulässigkeit, dass irgendein Land, eine Gruppe von Ländern oder eine Organisation Anspruch auf Vorherrschaft im Bereich der Sicherheit erhebt. Das betrifft vor allem die NATO, die versucht, ihren destruktiven Einfluss weit über die geografischen Grenzen ihres Verantwortungsbereichs hinaus auszudehnen, auch nach Südostasien und Nordostasien.
Die Werte einer breiten, gleichberechtigten Zusammenarbeit liegen den von Präsident Putin vorgelegten Initiativen zur Bildung einer Großen Eurasischen Partnerschaft und einer Sicherheitsarchitektur auf dem gesamten eurasischen Kontinent zugrunde. Gestern haben hier in New York Russland, Belarus und unsere Gleichgesinnten eine Erklärung über den Beginn der Arbeit an einer Eurasischen Charta der Vielfalt und Multipolarität im 21. Jahrhundert angenommen. Wir rufen alle, die bereit sind, Teil der neuen gesamtkontinentalen Architektur von Frieden und Entwicklung zu werden, dazu auf, zum Erfolg dieses wichtigen Vorhabens beizutragen, das die Arbeit der bestehenden Mechanismen im Geist der geopolitischen Realitäten der entstehenden multipolaren Welt ergänzen und harmonisieren soll.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Abschluss durch den Vorsitz der Generalversammlung
Ich danke dem Außenminister der Russischen Föderation.