Reihe: Bilde dir deine eigene Meinung!
Han-Zheng-Rede vor UN-Vollversammlung am 26.09.2026
Die Rede von Chinas Vizepräsident Han Zheng vor der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen am 26. September 2026 in New York – vollständig und ohne Kommentar.
Über diese Rede wird viel berichtet, meist in kurzen Ausschnitten und oft schon mit einer fertigen Bewertung. Ich stelle sie deshalb hier im vollständigen Wortlaut in deutscher Übersetzung zur Verfügung. Lesen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.
Hinweise zur Übersetzung
Grundlage ist die chinesische Transkription des Originaltons, die die Vereinten Nationen automatisch erstellt haben. Die Vereinten Nationen weisen darauf hin, dass sie Fehler enthalten kann. Zum Abgleich wurde die ebenfalls automatisch erstellte englische Mitschrift der Simultanverdolmetschung herangezogen. Eine amtliche Fassung lag zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht vor.
Die Übersetzung folgt dem gesprochenen Wort. Offensichtliche Fehler der automatischen Spracherkennung wurden sinngemäß korrigiert (z. B. „五合国“ → „五核国“, die fünf Atommächte; „自国理政“ → „治国理政“, Regierungsführung). Ergänzungen der Übersetzung stehen in eckigen Klammern. Zwischenüberschriften wurden zur besseren Orientierung eingefügt und sind nicht Teil der Rede.
Die Zahlen und Behauptungen werden so wiedergegeben, wie sie in der Rede gefallen sind; sie wurden nicht auf ihre Richtigkeit geprüft.
Quelle: UN – General Debate, 81st Session: China (Video, Audio und automatische Mitschriften)
Inhalt
- Rede von Vizepräsident Han Zheng
- Erstens: Die Nachkriegsordnung wahren – Frieden durch gemeinsame Sicherheit
- Zweitens: Entwicklung und offene Zusammenarbeit
- Drittens: Austausch und gegenseitiges Lernen der Zivilisationen
- Viertens: Multilateralismus, Fairness und Gerechtigkeit
- Resolution 2758 und 55 Jahre China in den Vereinten Nationen
- Schluss
Eröffnung durch den Vorsitz der Generalversammlung
Die Generalversammlung hört nun die Ansprache Seiner Exzellenz Han Zheng, Vizepräsident der Volksrepublik China. Ich bitte das Protokoll, Seine Exzellenz zum Rednerpult zu geleiten, und lade ihn ein, vor der Versammlung zu sprechen.
Rede von Vizepräsident Han Zheng
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,
die internationale Lage ist derzeit von miteinander verflochtenen Umbrüchen und Unruhen geprägt. Geopolitische Konflikte ziehen sich ohne Ende hin, die Entwicklungskluft wird immer größer, und globale Herausforderungen treten eine nach der anderen auf.
Vor fünf Jahren hat Präsident Xi Jinping auf der 76. Generalversammlung der Vereinten Nationen die Globale Entwicklungsinitiative vorgestellt. Danach folgten nacheinander die Globale Sicherheitsinitiative, die Globale Zivilisationsinitiative und die Globale Governance-Initiative. Sie geben eine strategische Richtung für den Aufbau einer Gemeinschaft mit geteilter Zukunft für die Menschheit vor.
Heute, da Zukunft und Schicksal aller Länder eng miteinander verbunden sind, sind immer mehr Länder bereit, sich die Hände zu reichen, die historische Aufgabe zu übernehmen, Schwierigkeiten und Herausforderungen zu bewältigen und das gemeinsame Wohl der Menschheit zu mehren. Dazu möchte ich vier Vorschläge machen.
Erstens: Die Nachkriegsordnung wahren – Frieden durch gemeinsame Sicherheit
Erstens: die internationale Nachkriegsordnung wahren und mit gemeinsamer Sicherheit einen dauerhaften Frieden errichten. Die Welt will Frieden, nicht Krieg. Das nach dem Krieg entstandene internationale System mit den Vereinten Nationen als Kern und die auf dem Völkerrecht beruhende internationale Ordnung müssen bewahrt werden. Wir müssen das Konzept einer gemeinsamen, umfassenden, kooperativen und nachhaltigen Sicherheit in die Tat umsetzen, [das] Denken des Kalten Krieges und die Konfrontation von Blöcken [ablehnen] und daran festhalten, Differenzen und Streitigkeiten durch Dialog und Konsultation beizulegen. Wir lehnen einseitige militärische Aktionen ab, die gegen die Charta der Vereinten Nationen verstoßen und die Ermächtigung durch den Sicherheitsrat umgehen.
Große Länder tragen eine besondere Verantwortung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit. Vor allem sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen: sich an die Regeln halten, die Rechtsstaatlichkeit achten und den rechten Weg gehen.
China ist der Auffassung, dass die Souveränität und Sicherheit der Länder im Nahen Osten und am Golf respektiert werden müssen und dass stabile, ungehinderte internationale Industrie- und Lieferketten sowie der Handel gewährleistet sein müssen. China ruft dazu auf, nach dem Grundsatz „Palästinenser regieren Palästina“ die Verwaltung des Westjordanlands und den Wiederaufbau des Gazastreifens nach dem Krieg voranzubringen und die Palästinafrage möglichst bald wieder auf den richtigen Weg der Zwei-Staaten-Lösung zu bringen.
In der Ukraine-Frage folgt China stets den „vier Dingen, die getan werden müssen“, die Präsident Xi Jinping formuliert hat, als grundlegender Richtschnur und wird weiterhin auf seine eigene Weise eine konstruktive Rolle für eine politische Lösung der Krise spielen.
China fordert das betreffende Land nachdrücklich auf, Kuba nicht länger mit Gewalt zu drohen und die Blockade und die Sanktionen gegen Kuba sofort und vollständig aufzuheben.
Zweitens: Entwicklung und offene Zusammenarbeit
Zweitens: sich der globalen Entwicklungsnotlage stellen und durch Offenheit und Zusammenarbeit gemeinsamen Wohlstand fördern. Die Entwicklung muss stets im Mittelpunkt der internationalen Agenda stehen. Wir müssen gemeinsam eine globale Entwicklungspartnerschaft aufbauen, die geeint, gleichberechtigt, ausgewogen und für alle von Nutzen ist. Wir müssen uns auf Schwerpunkte wie Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit und Energiewende konzentrieren und mehr Mittel sowie mehr Unterstützung für die Länder des Globalen Südens bereitstellen. Die entwickelten Länder sollten ihre Zusagen zur Entwicklungs- und Klimafinanzierung tatsächlich einlösen, und die internationale Gemeinschaft sollte Konsens und Kräfte bündeln, um die globale Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2030 zu erarbeiten.
Angesichts der neuen Runde der wissenschaftlich-technischen Revolution und des industriellen Wandels, insbesondere der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz, müssen wir an dem Leitgedanken festhalten, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und [KI] auf das Gute auszurichten, uns bemühen, die digitale Kluft zu verringern, und eine Entwicklung fördern, die allen zugutekommt.
Geschichte und Gegenwart beweisen: Die Entwicklung aller Länder ist auf ein offenes, kooperatives internationales Umfeld angewiesen. Beim Protektionismus gibt es keine Gewinner. Mauern und Barrieren zu errichten, Abkopplung und das Kappen von Lieferketten stören die Stabilität der globalen Industrie- und Lieferketten und schaden den Interessen aller Seiten. Wir müssen das regelbasierte multilaterale Handelssystem mit der Welthandelsorganisation als Kern entschlossen verteidigen, am Aufbau einer offenen Weltwirtschaft festhalten, gemeinsam neue Wachstumskräfte fördern und stärken und eine Globalisierung vorantreiben, die inklusiv ist und allen nützt.
Drittens: Austausch und gegenseitiges Lernen der Zivilisationen
Drittens: den Austausch und das gegenseitige Lernen der Zivilisationen fördern und durch Kommunikation und Dialog Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen wiederherstellen. Die Welt ist wegen ihrer Vielfalt so großartig. Im Umgang der Zivilisationen miteinander ist Herablassung nicht angebracht und Selbstherrlichkeit nicht gangbar. Gegenseitiger Respekt, Zusammenhalt und harmonisches Miteinander sind der richtige Weg.
Wir sollten die Plattform der Vereinten Nationen nutzen, um den internationalen Austausch zwischen den Menschen zu stärken, und die Feier des Internationalen Tages des Dialogs zwischen den Zivilisationen zum Anlass nehmen, das gegenseitige Verständnis und die Nähe zwischen den Völkern zu fördern und den gemeinsamen Fortschritt der vielfältigen Zivilisationen voranzubringen. Wir müssen ideologische Vorurteile ablegen und die von den Völkern selbst gewählten Entwicklungswege und Gesellschaftssysteme respektieren, den Erfahrungsaustausch über Regierungsführung vertiefen und gemeinsam nach Lösungen für die schwierigen Fragen der Welt suchen.
Viertens: Multilateralismus, Fairness und Gerechtigkeit
Viertens: das Banner des Multilateralismus hochhalten und Fairness und Gerechtigkeit durch konkretes Handeln verteidigen. Der Multilateralismus ist die gemeinsame Entscheidung, die die Menschheit nach schweren Katastrophen getroffen hat. Fairness und Gerechtigkeit sind das gemeinsame Streben der Völker aller Länder.
China vertritt den Standpunkt, dass alle Länder, ob groß oder klein, gleichberechtigte Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sind und dass die Angelegenheiten der Welt von allen gemeinsam beraten werden müssen, um die internationale Rechtsstaatlichkeit sowie Fairness und Gerechtigkeit gemeinsam zu wahren. Alle Länder sollten sich zusammenschließen und handeln, um die Vereinten Nationen zu schützen und zu stärken.
China unterstützt die Reform und Verbesserung der Vereinten Nationen und die Reforminitiative zum 80. Jahrestag der Vereinten Nationen [UN80]. Es geht nicht nur darum, bei Haushalt und Mandaten einfach zu kürzen, sondern vor allem darum, die Leistungsfähigkeit der Institutionen zu steigern, wirksam auf Herausforderungen wie den Klimawandel und die öffentliche Gesundheitssicherheit zu reagieren und die Vertretung und Stimme des Globalen Südens wirklich zu stärken.
China erweist Generalsekretär Guterres, dessen Amtszeit bald endet, seine hohe Anerkennung. China unterstützt es, gemäß den Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen einen neuen Generalsekretär zu wählen, der sich an die Charta hält, herausragende Fähigkeiten besitzt, gerecht und integer ist und sein Amt mit Einsatz ausübt.
Resolution 2758 und 55 Jahre China in den Vereinten Nationen
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, am 25. Oktober 1971 hat die 26. Generalversammlung genau in diesem feierlichen Saal mit überwältigender Mehrheit die Resolution 2758 angenommen. Sie beschloss, alle Rechte der Volksrepublik China in den Vereinten Nationen wiederherzustellen, und erkannte die Vertreter der Regierung der Volksrepublik China als die einzigen rechtmäßigen Vertreter Chinas in den Vereinten Nationen an. Das ist für China wie für die Welt von großer und weitreichender Bedeutung.
In den 55 Jahren seither war China stets eine stabilisierende Kraft in einer unruhigen Welt. Es geht unbeirrt den Weg der friedlichen Entwicklung und ist die Großmacht mit der besten Bilanz in Sachen Frieden und Sicherheit. China stellt unter den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats die meisten Friedenstruppen und hat erfolgreich darauf hingewirkt, dass die Staats- und Regierungschefs der fünf Atommächte erstmals eine gemeinsame Erklärung zur Verhinderung eines Atomkriegs abgegeben haben.
China war stets eine tragende Kraft der gemeinsamen Entwicklung. Es hat zwei Wunder vollbracht – rasches Wirtschaftswachstum und langfristige gesellschaftliche Stabilität – und trägt seit Langem rund 30 Prozent zum Wachstum der Weltwirtschaft bei. China baut gemeinsam mit mehr als drei Vierteln der Länder der Welt hochwertig an der „Belt and Road“-Initiative [Neue Seidenstraße], hat im Rahmen der Globalen Entwicklungsinitiative mehr als 23 Milliarden US-Dollar mobilisiert und über 2.000 Kooperationsprojekte umgesetzt. Es gewährt Afrika und den am wenigsten entwickelten Ländern, mit denen es diplomatische Beziehungen unterhält, Nullzölle und stärkt so den Modernisierungsprozess des Globalen Südens.
China war stets eine fortschrittliche Kraft des Wandels. Es erhebt beständig seine Stimme für den Globalen Süden, verteidigt die berechtigten Rechte und Interessen der Entwicklungsländer und setzt sich fortwährend dafür ein, dass sich das globale Governance-System in eine gerechtere und vernünftigere Richtung entwickelt. Im Oktober dieses Jahres findet in der neuen Zone Xiong’an in China das Globale Governance-Forum statt. Sie sind herzlich eingeladen, dort gemeinsam über die Zukunft zu sprechen und über die großen Fragen der Weltordnung zu beraten.
Schluss
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie sich die internationale Lage auch verändern mag: Chinas Streben nach Frieden und Entwicklung bleibt unerschütterlich, sein Festhalten an Fairness und Gerechtigkeit unbeirrbar und sein Bekenntnis zum Multilateralismus unverändert. China ist bereit, gemeinsam mit allen Ländern den Weg zu gehen und in der großen Praxis des Aufbaus einer Gemeinschaft mit geteilter Zukunft für die Menschheit eine bessere Zukunft für alle zu schaffen. Vielen Dank.
Abschluss durch den Vorsitz der Generalversammlung
Im Namen der Generalversammlung danke ich dem Vizepräsidenten der Volksrepublik China für seine Ansprache.