Bilde dir deine eigene Meinung!

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Zitat & Fundstück Veröffentlicht am 23. September 2026

Reihe: Bilde dir deine eigene Meinung!

Burnham-Rede vor UN-Vollversammlung am 22.09.2026

Grafik: Eine Lupe über einem Textdokument, daneben der Schriftzug „Bilde dir deine eigene Meinung! – Ungekürzte Originaldokumente, ohne Kommentar.“

Die Rede des britischen Premierministers Andy Burnham vor der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen am 22. September 2026 in New York – vollständig und ohne Kommentar.

Über diese Rede wird viel berichtet, meist in kurzen Ausschnitten und oft schon mit einer fertigen Bewertung. Ich stelle sie deshalb hier im vollständigen Wortlaut in deutscher Übersetzung zur Verfügung. Lesen Sie selbst und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Hinweise zur Übersetzung

Grundlage ist das Transkript, das die britische Regierung auf GOV.UK veröffentlicht hat. Es ist dort ausdrücklich als Wortlaut der Rede gekennzeichnet, „so wie sie gehalten wurde“ („exactly as it was delivered“).

Die Übersetzung folgt diesem Wortlaut. Kleine Versprecher im Transkript wurden sinngemäß übersetzt. Ergänzungen der Übersetzung stehen in eckigen Klammern. Zwischenüberschriften wurden zur besseren Orientierung eingefügt und sind nicht Teil der Rede.

Die Zahlen und Behauptungen werden so wiedergegeben, wie sie in der Rede gefallen sind; sie wurden nicht auf ihre Richtigkeit geprüft.

Enthält Informationen des öffentlichen Sektors, lizenziert unter der Open Government Licence v3.0 (www.nationalarchives.gov.uk/doc/open-government-licence/version/3/). Die deutsche Übersetzung ist keine amtliche Fassung.

Quelle: GOV.UK – PM speech at UNGA: 22 September 2026 (amtliches Transkript der britischen Regierung, Englisch)

Inhalt

  1. Einleitung: „Großbritannien ist zurück“
  2. Nationale Sicherheit und Desinformation
  3. Gemeinsam handeln: Vereinte Nationen und Klima
  4. Künstliche Intelligenz
  5. Macht zurück zu den Menschen
  6. Ukraine
  7. Völkerrecht, Golfregion und Naher Osten
  8. Schluss: „Sie können auf uns zählen“

Einleitung: „Großbritannien ist zurück“

Frau Präsidentin, Exzellenzen, meine Damen und Herren,

als neuer britischer Premierminister bin ich heute hier, um Ihnen zu sagen, wie Großbritannien im kommenden Jahrzehnt in einer sich wandelnden Welt Führung übernehmen wird – und dabei aus den Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts lernt.

Der Brexit liegt nun zehn Jahre zurück. Mein Land hat die Umbrüche durchlebt, die er mit sich brachte. Und das hat uns eine besondere Sichtweise gegeben, die ich heute mit Ihnen teilen möchte.

Großbritannien ist zurück. Wir stellen unsere Stabilität wieder her. Wir bauen eine dynamischere Wirtschaft auf – eine Nation, die mit der Welt Handel treiben und zusammenarbeiten will, um die gemeinsamen Probleme zu lösen, vor denen wir stehen.

Aber wir haben auch gelernt, dass wir uns anpassen müssen, um den Herausforderungen dieser Zeit gerecht zu werden. Wir müssen die Macht in unserem Land neu verteilen und sie näher zu den Menschen bringen. Wir müssen uns stärker gegen die Kräfte der Spaltung und Instabilität wehren, die uns bedrohen – nicht nur mit harter Macht, sondern auch mit sanfteren, langsameren Mitteln, die Angst und Verzweiflung säen. Wir müssen mehr tun, um den Menschen bei den alltäglichen Lebenshaltungskosten zu helfen, und die Chancen ergreifen, die ihnen Hoffnung für die Zukunft geben. Und wir müssen das unglaubliche Potenzial der Technologie nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern.

Darüber möchte ich heute Abend mit Ihnen sprechen – wie die Welt durch die Turbulenzen von heute hindurchkommen kann, um im kommenden Jahrzehnt nach etwas Besserem zu streben.

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Nationale Sicherheit und Desinformation

Die Überwindung der Kräfte von Spaltung und Instabilität beginnt mit der nationalen Sicherheit. Deshalb werden wir weiter in unsere Verteidigung investieren – unsere NATO-Verpflichtungen erfüllen und die europäischen Fähigkeiten stärken. Wir werden unermüdlich unsere harte Macht und unsere Abschreckung ausbauen.

Aber wir werden nicht Russlands Spiel mitspielen, sich gegenseitig mit eskalierender Rhetorik zu überbieten. Anders als Russland suchen wir keine Konfrontation. Stattdessen werden wir vorbereitet sein, aber nicht in Panik; klarsichtig, aber besonnen; und unbeirrbar in der Verteidigung unserer Bevölkerung und unserer Verbündeten.

Echte Widerstandsfähigkeit hängt von dieser militärischen Stärke ab. Aber die letzten zehn Jahre zeigen uns auch, dass es um etwas Tieferes geht. Es geht um die Stärke des gesellschaftlichen Gefüges, das uns zusammenhält. Es gibt keine nationale Sicherheit ohne eine starke, zusammenhaltende Gesellschaft. Das ist der Ausgangspunkt für alles, was uns lieb und teuer ist, und für alles, was wir erreichen wollen.

Tatsache ist aber, dass dieses Gefüge angegriffen wurde. In den letzten Jahren haben wir einen Angriff feindlicher Akteure im industriellen Maßstab auf das Informationsumfeld im Vereinigten Königreich und vieler unserer Verbündeten erlebt. Russische Dienste haben jedes ihnen zur Verfügung stehende Mittel genutzt, um Lügen und Desinformation zu verbreiten und die Ängste der Menschen auszunutzen. Sie haben Bots und gefälschte Websites eingesetzt. Gefälschte Zeitungsartikel. Sie haben das Erscheinungsbild von 28 britischen Organisationen gefälscht – darunter Universitäten und die BBC. Sie haben rechtsextreme Erzählungen verstärkt. Und wir haben Belege dafür, dass sie versucht haben, sich in die Parlamentswahl 2019 einzumischen.

Wir wissen auch, dass sie nach entsetzlichen Ereignissen versucht haben, Spannungen und Unruhen zu schüren. Allein der Gedanke, dass jemand solche Dinge zu seinem Vorteil nutzen will, ist abstoßend – aber genau das tun sie. Der Kreml gibt jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Pfund für Informationsmanipulation aus. Wir sprechen von einer heimtückischen Kampagne, die bis in die Wohnungen der Menschen reicht und verdreht, wie sie über ihr eigenes Land und ihre eigene Gemeinschaft denken – indem sie eine Erzählung vom Niedergang schafft, Spaltung schürt und Verzweiflung sät.

Hinzu kommen Cyberangriffe auf unsere Unternehmen und Einrichtungen. Und wir wissen, dass KI diese Bedrohung vervielfachen wird.

Wir sind viel zu lange auf Zehenspitzen um dieses Thema herumgeschlichen. Im vergangenen Jahrzehnt haben wir denen zu viel Raum überlassen, die eine negative, zersetzende Erzählung über das Leben in Großbritannien verbreiten wollen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Damit ist jetzt Schluss.

Wir werden dem neuen Jahrzehnt anders begegnen – mit weit offenen Augen. Wir werden viel selbstbewusster für unsere Werte und die Rechtsstaatlichkeit eintreten. Und wir werden unseren Menschen helfen, ihre Widerstandskraft zu stärken – denn angesichts dieser Informationskriegsführung beginnt Sicherheit in jedem einzelnen Zuhause.

Wenn man mit den Lebenshaltungskosten zu kämpfen hat und das eigene Leben nicht besser wird – oder wenn man als junger Mensch weder Arbeit noch Ausbildung hat –, dann ist man für diese Art von Beeinflussung viel anfälliger. Ein Teil der Aufgabe besteht also darin, unsere Menschen zu stärken und die Chancen zu schaffen, die sie brauchen. Wenn die Ungleichheit zu groß wird, sind unsere Gesellschaften stärker gefährdet. Deshalb werden wir daran arbeiten, das Leben bezahlbarer zu machen. Das wird im Mittelpunkt eines neuen Zehnjahresplans für Großbritannien stehen, den wir im Laufe des Jahres vorlegen werden.

Und wir werden die Strukturen schaffen, die wir brauchen, um diese giftige Flut einzudämmen. Heute beauftrage ich die Leiter unserer Sicherheitsbehörden, mit der Arbeit an einem neuen Nationalen Zentrum für Informationsverteidigung zu beginnen – um solche Informationsangriffe feindlicher Staaten zu erkennen, zuzuordnen und zu stören. Um unsere Demokratie zu unterstützen und zu verteidigen.

Und ich weiß, dass dies eine gemeinsame Herausforderung ist. Deshalb werden wir unsere Erfahrungen im Vereinigten Königreich – und die Tatsache, dass wir diesen Schock bereits durchgemacht haben – nutzen, um anderen Ländern zu helfen. Wir haben bereits Moldau dabei unterstützt, seine Wahlen vor russischer Einmischung zu schützen. Da in ganz Europa weitere Wahlen anstehen, setzen sich immer mehr Nationen mit diesen Fragen auseinander – manche zum ersten Mal. Wir sind also bereit, unser Wissen darüber zu teilen, wie diese Akteure vorgehen und wie wir reagieren können – denn das ist für unsere gemeinsame Sicherheit und Widerstandsfähigkeit von entscheidender Bedeutung.

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Gemeinsam handeln: Vereinte Nationen und Klima

Um Spaltung und Instabilität zu überwinden, müssen wir auch neue Wege finden, Länder zusammenzubringen. Wir wissen, dass wir am stärksten sind, wenn wir uns mit anderen zusammentun – wenn wir über Grenzen hinweg gemeinsame Probleme lösen.

Wenn ich heute hier stehe, erinnere ich mich an die gewaltigen Fortschritte für die Menschheit, die diese Organisation angeführt hat – etwa die Ausrottung der Pocken oder die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Genau diese Verheißung und Hoffnung haben Großbritannien dazu gebracht, die erste Sitzung dieser Generalversammlung in London auszurichten – und die Welt dazu gebracht, diese Institution zu schaffen, diese Vereinten Nationen, unsere Vereinten Nationen.

Diesen Grad an Ehrgeiz brauchen wir jetzt, um die Vereinten Nationen für unsere Zeit zu erneuern: um Herausforderungen anzugehen wie die Verbesserung der weltweiten Gesundheit und die Verhütung künftiger Pandemien; um die Kriege zu beenden, die so viel Leid und Instabilität verursachen – darunter den schrecklichen Konflikt im Sudan; und um den Klimawandel zu bekämpfen.

Die Klimakrise ist inzwischen für Länder in aller Welt eine Bedrohung der nationalen Sicherheit – wie dieser Sommer mit extremer Hitze, Waldbränden und Überschwemmungen zweifelsfrei bewiesen hat. Großbritannien wird weiterhin gemeinsam mit anderen vorangehen, um diese Bedrohung zu bekämpfen: um unsere Kinder und Enkel zu schützen; um die Natur zu schützen; und auch, um die Vorteile für Arbeitsplätze, Wachstum und Reindustrialisierung zu nutzen, die der Übergang zu sauberer Energie mit sich bringen kann.

Wir müssen uns also höhere Ziele setzen. Und ich glaube, dass das Vereinigte Königreich als ehrlicher Makler eine besondere Stellung hat, um dies voranzubringen. Wir sind Amerikas engster Verbündeter. Wir haben enge Verbindungen zu unseren Freunden in der Europäischen Union und werden sie weiter vertiefen. Wir arbeiten mit China und aufstrebenden Mächten wie Indien und Brasilien zusammen. Wir sitzen im Sicherheitsrat. Im Commonwealth. Im CPTPP [transpazifisches Handelsabkommen]. In einer gespaltenen Welt haben wir die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen – und das werden wir tun. Wir werden diese Rolle übernehmen.

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Künstliche Intelligenz

Und wir werden mit einer der bedeutendsten Herausforderungen und Chancen unserer Zeit beginnen – der Spitzen-KI [„Frontier AI“]. In der KI kommen so viele der drängendsten Fragen zusammen, vor denen wir stehen. Im Vereinigten Königreich beschleunigt sie bereits die Krebsdiagnose. Aber KI hat das Potenzial, noch weiter zu gehen – nicht nur Krebs vorzubeugen und ihn zu behandeln, sondern ihn heilen zu helfen. KI wird auch der Schlüssel zu wirtschaftlichem Wachstum sein. Der Weg zur Umgestaltung der Bildung. Und sie wird ein unverzichtbares Werkzeug sein, um uns zu schützen.

Ich gebe heute bekannt, dass wir mit den USA eine neue Verteidigungspartnerschaft für KI aufbauen, um unsere kritische nationale Infrastruktur zu schützen.

Aber wir wissen, dass KI auch eine Quelle von Umbrüchen in der Art sein wird, wie wir leben und arbeiten – und ein Risikovervielfacher. Wir haben alle die Warnungen gehört – und wir müssen sie ernst nehmen. Ich weiß, wie besorgt die Menschen sind. Wir müssen diesem Moment also gewachsen sein. Grundlegende Entscheidungen über diese Technologie sind zu wichtig, um sie dem Zufall zu überlassen. Sie müssen von gewählten Regierungen getroffen werden, die den arbeitenden Menschen dienen. Und wir müssen den Menschen die Unterstützung geben, die sie in diesem Wandel brauchen – und dafür sorgen, dass er auch zu einem Motor für Reindustrialisierung und Chancen wird.

Die erste industrielle Revolution, die vor zwei Jahrhunderten im Norden Englands begann, hält eine Lehre bereit. Es war eine Zeit unglaublichen technischen Fortschritts. Doch für die Arbeiter brachten die Umbrüche enormes Leid und Ausbeutung. Es wurde vieles erst viel schlimmer, bevor es besser wurde. Diesmal müssen wir es also richtig machen.

Ich glaube, dass wir dieser Aufgabe mehr als gewachsen sind. Das Vereinigte Königreich hat einige der besten Technologie- und KI-Talente der Welt. Und wenn es darum geht, sich gegen die Risiken zu wappnen, haben wir unser weltweit führendes AI Security Institute – das bei der KI-Sicherheit Hand in Hand mit den USA und den führenden Laboren arbeitet.

Aber wir müssen weiter gehen. Aufbauend auf dem Treffen, das Seine Majestät König Charles letzte Woche einberufen hat, kann ich heute ankündigen, dass ich KI in den Mittelpunkt der britischen G20-Präsidentschaft im nächsten Jahr stellen werde.

Ich blicke darauf zurück, wie wir 2008 auf die Finanzkrise reagiert haben. Wir haben in der G20 und in kleineren Gruppen schnell gehandelt, um eine dringende, praktische Antwort zu geben. Wir haben uns auf Grundsätze geeinigt – die jeder im eigenen Land auf die für ihn richtige Weise umgesetzt hat. Und es hat funktioniert. Einen solchen Ansatz brauchen wir jetzt.

Wir werden also die richtigen Leute zu den zentralen Fragen zusammenbringen: das Potenzial der KI zum Guten zu verwirklichen und mit den Risiken umzugehen. Und wir werden auf ein einheitliches Paket globaler Grundsätze und Standards hinarbeiten, um die Transparenz und den Zugang zu gewährleisten, die wir brauchen, um besser vorbereitet zu sein – und um sicherzustellen, dass die Entwicklung von KI sicher ist. Dabei werden begrüßenswerte Initiativen anderer zusammengeführt – wie die, die Norwegen diese Woche vorgeschlagen hat.

Wie Seine Majestät sagte, besteht die Aufgabe vor uns „nicht nur darin, die Technologie voranzubringen, sondern sicherzustellen, dass sie fest im Dienst der Menschheit bleibt“. Und ich möchte den Menschen in Großbritannien versichern, dass wir letztlich alles Notwendige tun werden, um sie zu schützen – einschließlich neuer Gesetze, wenn das nötig ist. Sie müssen wissen, dass wir ihre Interessen schützen werden – und das werden wir.

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Macht zurück zu den Menschen

Aber für sich allein genommen reicht das nicht, oder? In diesem gefährlichen, turbulenten Zeitalter ist es wichtiger denn je, den Menschen die Kraft zu geben, ihre eigene Widerstandsfähigkeit aufzubauen und mehr für sich selbst zu tun. Und ihnen die Bühne zu geben, für das einzutreten, woran sie glauben.

Ich arbeite daran, die Macht über alle Regionen des Vereinigten Königreichs hinweg neu zu verteilen. Und als Teil davon habe ich in Manchester ein zweites Büro der Downing Street eingerichtet – wir nennen es „No10 North“.

Vor diesem Büro steht eine Statue von Abraham Lincoln. Sie erinnert an die persönliche Verbindung, die er zu Manchester knüpfte, und an das Band zwischen unseren beiden Nationen – ein Band, das er in einem Brief an die arbeitenden Menschen der Stadt als „immerwährend“ bezeichnete. Das lag nicht an irgendeiner militärischen oder materiellen Unterstützung. Es gab keine Gegenleistung. Es lag daran, dass die einfachen Spinnereiarbeiter Manchesters aus Prinzip Stellung bezogen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs weigerten sie sich, trotz der Not, die ihnen das brachte, Rohbaumwolle anzurühren, die von Sklaven gepflückt worden war. 1862 nutzten Menschen mit wenig Macht diese Macht, um Menschen ohne jede Macht auf der anderen Seite der Welt zu helfen.

Der beste Wandel ist ein solcher Wandel – ein Wandel von unten, getragen von den Menschen. Und welches verzerrte Bild die sozialen Medien heute auch vermitteln: Die Welt ist immer noch voller guter und anständiger Menschen, die bereit sind, für das Richtige einzustehen. Ich sehe das immer wieder aufleuchten. Nichts bringt die Menschen in Großbritannien über Alter, Herkunft und Schicht hinweg mehr zusammen als ihr Hass auf Ungerechtigkeit – den Missbrauch von Macht gegen die Machtlosen. Wir werden immer auf der Seite des Schwächeren gegen den Tyrannen stehen.

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Ukraine

Deshalb stehen wir so geschlossen hinter der Ukraine. Und lassen Sie mich sagen: Wir verneigen uns vor dem ukrainischen Volk. Es zeigt eine Widerstandskraft und einen Mut, die der ganzen Welt ein Vorbild sind.

Ich war letzten Monat in Kiew, und das gab mir einen Eindruck vom Leben unter russischem Beschuss. Ich ging auf einen belebten Markt – eine ganz normale Szene wie in jeder europäischen Stadt –, die Händler priesen ihre Waren an und drückten mir Pfirsiche und Pflaumen aus Odessa in die Hände. Aber ihre Stände standen draußen auf der Straße, weil die Markthalle zerstört worden war. Im Hintergrund standen ausgebrannte Autos. Hinter uns war ein Gebäude, das nur wenige Wochen zuvor direkt getroffen worden war.

Ich traf Menschen, die mit der Metro von der Arbeit nach Hause fuhren – Menschen, die einfach ihr Leben weiterführen. Aber nachts dienen dieselben Metrostationen Tausenden Menschen als Schutzräume – von Alten bis zu kleinen Kindern, von denen manche nichts als Krieg kennen. Die Menschen erzählten mir von der eisigen Kälte in den Stationen im letzten Winter, als die Temperaturen draußen unter minus 20 Grad fielen. Gleichzeitig griff Russland ihre Energieinfrastruktur an, um sie noch mehr leiden zu lassen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass sie das in diesem Winter wieder tun. Deshalb arbeiten wir daran, der Ukraine zu helfen, ihren Luftraum und ihre Zivilbevölkerung zu schützen. Wir gehen dabei voran, die Kosten für Russland zu erhöhen, diesen sinnlosen und illegalen Krieg fortzusetzen. Das Graham-Gesetz, das Präsident Trump letzte Woche unterzeichnet hat, wird für diese Bemühungen einen großen Unterschied machen. Und wir werden die Ukraine dabei unterstützen, die Heiz- und Kraftwerke zu reparieren und zu schützen, auf die Kiew in diesem Winter angewiesen sein wird.

Es ist richtig, dass wir diese Unterstützung leisten. Aber wir sollten Russland beim Namen nennen – dieses Mal und jedes Mal. Jeder in diesem Saal weiß, dass Angriffe auf zivile Infrastruktur nach dem Völkerrecht ausdrücklich verboten sind. Und doch stehen wir hier bei den Vereinten Nationen und kündigen Mittel an, um die Folgen dieser Kriegsverbrechen abzumildern, von denen wir mit Sicherheit erwarten, dass sie – wieder einmal – von einem ständigen Mitglied des Sicherheitsrats begangen werden. Das muss aufhören.

Russland könnte morgen einen anderen Weg einschlagen: einer Waffenruhe zustimmen, an den Verhandlungstisch kommen. Ich fordere Russland dazu auf. Aber bis dahin werden wir an der Seite der Ukraine stehen – stärker denn je, so lange wie nötig.

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Völkerrecht, Golfregion und Naher Osten

Es geht um die Wahrung der UN-Charta und der Rechtsstaatlichkeit. Wir werden allen Bedrohungen und Herausforderungen der Rechtsstaatlichkeit standhaft entgegentreten. Nicht nur von Russland, sondern auch von anderen, auch dort, wo sie das Recht britischer Gebiete bedrohen, britisch zu bleiben – wie der Falklandinseln. Deshalb arbeiten wir auch mit Frankreich und anderen Partnern zusammen, um die Freiheit der Schifffahrt im Golf zu unterstützen.

Und deshalb habe ich im Nahen Osten gehandelt. Nur acht Wochen nach meinem Amtsantritt als Premierminister habe ich gemeinsam mit meinem Außenminister Ed Miliband unsere Position grundlegend neu ausgerichtet. Und wir haben eine internationale Koalition von Ländern gebildet, die diesen Weg mit uns gehen.

Der Terroranschlag auf Israel am 7. Oktober 2023 war zutiefst entsetzlich. Ich habe ihn aufs Schärfste verurteilt. Wir verurteilen die Hamas weiterhin. Und wir stehen an der Seite Israels angesichts der anhaltenden Bedrohungen – auch durch den Iran, gegen Israel und gegen Jüdinnen und Juden in aller Welt.

Aber das rechtfertigt nicht das Vorgehen der israelischen Regierung in Gaza oder im Westjordanland. Viel zu viele Menschen sind gestorben – darunter so viele Kinder. Viel zu wenig Hilfe kommt hinein. Und es dauert schon viel zu lange. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie das entsetzliche Leid weiter wächst und die Aussicht auf eine Zwei-Staaten-Lösung – die beste Hoffnung auf Frieden und Stabilität für beide Nationen – angegriffen wird.

Letzten Monat hat Israel Ausschreibungen für den Bau der Großsiedlung E1 veröffentlicht – die einen Keil durch das Westjordanland treiben und einen lebensfähigen palästinensischen Staat in unerreichbare Ferne zu rücken drohen würde. Das darf nicht geschehen.

Deshalb haben wir gehandelt: indem wir den Handel mit Waren aus illegalen Siedlungen verboten haben; indem wir anerkannt haben, dass die israelische Besetzung palästinensischen Gebiets rechtswidrig ist; und indem wir Sanktionen gegen diejenigen verhängt haben, die am Bau illegaler Siedlungen beteiligt sind.

Wir wollen, dass das Leid und das Sterben endlich ein Ende haben. Wir wollen, dass Israelis und Palästinenser Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben. Und wir werden alles tun, was wir können, um diese Möglichkeit am Leben zu erhalten.

Und sehen Sie – wir leben in einer Zeit geringen Vertrauens in die Politik. Wenn wir weiter von der Zwei-Staaten-Lösung sprächen, diesen Worten aber keine Taten folgen ließen, würde dieses Vertrauen noch weiter sinken – und unsere Feinde würden versuchen, die daraus folgende Entfremdung auszunutzen. Das werden wir nicht zulassen.

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Schluss: „Sie können auf uns zählen“

Also, Exzellenzen, meine Damen und Herren, das ist die Art von Führung, die Großbritannien einbringen will. Wir müssen uns gemeinsam erneut dazu verpflichten, das vor uns liegende Jahrzehnt besser zu machen als das vergangene.

Meine Botschaft an unsere Partner in aller Welt lautet: Sie können auf uns zählen.

Zählen Sie auf uns, wenn es darum geht, für die altbewährten britischen Werte der Fairness und Gerechtigkeit einzutreten – unsere gemeinsamen Werte – und für die UN-Charta.

Zählen Sie auf uns im Kampf gegen Rassismus, Diskriminierung und Machtmissbrauch, wo immer wir sie sehen – so wie es die Baumwollarbeiter von Manchester im 19. Jahrhundert taten und unser Land im Kampf gegen den Faschismus im 20. Jahrhundert.

Zählen Sie auf uns, wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen – nicht, um auf alte Probleme zu zeigen, sondern um an neuen Lösungen für das 21. Jahrhundert zu arbeiten.

Zählen Sie auf uns, wenn es darum geht, Angst und Spaltung mit Einheit und Hoffnung zu begegnen.

Haben Sie vielen herzlichen Dank.

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