Alle Steuern in die Mehrwertsteuer
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Die Idee in Kürze
Deutschland kennt über 40 verschiedene Steuerarten — von der Einkommensteuer über die Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragsteuer, Erbschaftsteuer bis zur Sektsteuer. Jede hat ihre eigenen Regeln, ihre eigenen Schlupflöcher, ihre eigene Bürokratie. Der Steuerberaterstand lebt davon.
Die radikale Idee: All diese Steuern werden abgeschafft und durch eine einzige einheitliche Konsumsteuer ersetzt — eine deutlich erhöhte Mehrwertsteuer, oft mit einem Satz um 50 Prozent kalkuliert. Besteuert wird nicht mehr, wer Einkommen erwirtschaftet, sondern wer verbraucht. Die Bruttolöhne werden zu Nettolöhnen, Unternehmen zahlen keine Steuern mehr direkt — die Steuer fällt erst am Ende der Wertschöpfungskette an, beim Kauf.
Der bekannteste deutsche Verfechter war Götz Werner, der Gründer der Drogeriekette dm. Er hat die Konsumsteuer bewusst mit dem bedingungslosen Grundeinkommen verbunden: Das Grundeinkommen gibt jedem Bürger die Kaufkraft zurück, die die hohe Konsumsteuer ihm beim Einkauf nimmt — und zwar unabhängig vom Einkommen.
Pro und Contra
Dafür spricht
- Radikale Vereinfachung. Eine einzige Steuer statt über 40 — weniger Bürokratie, weniger Gesetze, weniger Finanzverwaltung.
- Arbeit wird billiger. Wer arbeitet, bekommt seinen vollen Lohn. Lohnnebenkosten sinken, Beschäftigung wird für Arbeitgeber attraktiver.
- Steueroasen trocknen aus. Die Steuer fällt am Ort des Konsums an, nicht am Firmensitz. Konzerne können Gewinne nicht mehr ins Ausland verlagern.
- Sparen wird belohnt. Wer weniger konsumiert, zahlt weniger Steuer — ein Anreiz für Nachhaltigkeit und Sparsamkeit.
- Ehrlichkeit gewinnt. Schwarzarbeit bringt keine Vorteile mehr, denn die Steuer fällt erst beim Einkauf an — da kommt jeder nicht mehr drumherum.
- Volkswirtschaftliche Klarheit. Preise spiegeln die tatsächliche Belastung wider — keine versteckten Steuern mehr in Löhnen und Unternehmensgewinnen.
Dagegen spricht
- Regressive Wirkung. Geringverdiener geben fast ihr ganzes Geld für Konsum aus, Vermögende sparen einen großen Teil — die Last verschiebt sich nach unten. (Entschärft, wenn mit BGE kombiniert.)
- Progressivität geht verloren. Das heutige System besteuert stärkere Schultern stärker — bei einer Einheitssteuer auf Konsum ist das nicht mehr automatisch der Fall.
- Grenzhandel. Bei einer Konsumsteuer von 50 Prozent würde vieles im Ausland gekauft — ein nationaler Alleingang ist kaum realisierbar.
- Kontrollverlust bei Reichtum. Vermögen, das gespart oder investiert statt konsumiert wird, bleibt unbesteuert — die Ungleichheit könnte wachsen.
- Europäische Hürden. Die Mehrwertsteuer ist EU-weit harmonisiert; ein radikaler Umbau wäre mit dem europäischen Rahmen schwer vereinbar.
Persönlicher Kommentar
Was mich an diesem Gedanken von Anfang an fasziniert hat, ist seine Ehrlichkeit. Heute ist ein Euro Bruttolohn keine echten hundert Cent Kaufkraft — Einkommensteuer, Sozialabgaben, später Mehrwertsteuer, auf Umwegen noch Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer zwischen Unternehmen und Endkunde: Viele Schichten, in denen der Staat mitverdient, ohne dass jemand noch überblickt, wie viel genau.
Die einheitliche Konsumsteuer stellt all das offen hin. Du siehst an jeder Preisauszeichnung, was der Staat von deinem Einkauf bekommt. Das ist Demokratie beim Einkaufen.
Der stärkste Einwand ist die regressive Wirkung. Aber genau das ist auch der Grund, warum Götz Werner das Grundeinkommen zusammen mit der Konsumsteuer dachte: Wer ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommt, kann sich den Mehrwertsteueraufschlag auf Brot und Milch leisten — und wer mehr verdient, zahlt trotzdem mehr Steuern, weil er mehr konsumiert.
Deshalb gehört für mich die Konsumsteuer nicht isoliert diskutiert, sondern als Teil eines größeren Umbaus. Aber auch diese Idee halte ich für es wert, weiter verfolgt zu werden — allein schon deshalb, weil sie die Frage stellt: Besteuern wir eigentlich das Richtige?
Weiterlesen
Links
- Das Gemeinschaftliche Steuersystem — Initiative mit ausführlicher Darstellung
- Unternimm die Zukunft — Götz Werners Plattform (Konsumsteuer + BGE)
- Alle Steuern abschaffen – bis auf eine (Infosperber)
- Wie fair ist die Mehrwertsteuer? (ZDF) — kritische Sicht
- Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer (Wikipedia)
Bücher
Einkommen für alle
Götz Werner entwickelt hier sein Gesamtkonzept: bedingungsloses Grundeinkommen kombiniert mit einer einheitlichen Konsumsteuer. Das Standardwerk zur Idee, verständlich und aus Unternehmersicht geschrieben.
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